Andachten zum Monatsbeginn2018-09-07T16:12:56+00:00

Andachten zum Monatsbeginn

Tropfen bild zu den Andachten

Innehalten
Ruhe finden
Impulse mitnehmen
Gemeinschaft entdecken

Die Andachten zum Monatsbeginn finden an jedem ersten Freitag des Monats statt. Um 18 Uhr in der St.Severi Kirche. Die aktuellen Termine finden sich auf dieser Website unter Aktuelles –> Termine.  Thema ist immer ein kurzer Bibeltext, meist der jeweilige Monatsspruch. Dazu passend werden Lieder gesungen, Gebete und Psalmen gesprochen und Gedanken vorgetragen.

Ein bis zwei Wochen vorher werden die Andachten vorbereitet. Wer sich dazugesellen möchte, ist herzlich eingeladen. Nähere Informationen bei Rosemarie Krause unter Tel. 04751-5724.

 

September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.      Prediger 3,11

Gedanken zum Monatsspruch für September

von Reinhard Krause

 

Wir leben, so heißt es, im Anthropozän: im Erdzeitalter, in dem der Planet Erde sich durch das Wirken des Menschen verändert. Auf der einen Seite leben die Menschen, zumindest im bevorzugten Teil der Welt, länger und demnach privilegierter denn je. Und in großem Reichtum im Vergleich mit Zeiten, die noch nicht lange zurückliegen. Zum andern scheint es, als ob die Menschen die Lebensgrundlagen vernichten. Gerade die nördliche Halbkugel verschwendet und verbraucht mehr als nachwachsen kann. Verändert das Klima. Erhitzt und verödet die Welt. War das nicht gerade im zurückliegenden Sommer in vielen Regionen zu spüren?

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Ist er nicht mehr da? Er hat ins Herz, das heißt in der jüdischen Bildersprache ins Wissen, in die Vernunft der Menschen das Bewusstsein gelegt, dass es lange vor ihnen einen Anfang der Schöpfung gab und dass es eine Zukunft gibt, die sie nicht mehr erleben werden: die Ewigkeit. Mit einem und wenn ja mit welchem Ende?

Mitten drin lebt der Kohelet, einer, der Weisheiten sammelt und vielleicht auch Menschen, denen er seine Erkenntnisse verkündet. Luther hat ihn mit Prediger übersetzt, um uns eine Vorstellung zu geben. Exakt stimmt die Übersetzung aber nicht. Eigentlich lebt er auch im Anthropozän: Die Mittelmeerregion wird abgeholzt, um Kriegsschiffe zu bauen. Die Griechen sind vor mehr als 2200 Jahren die Beherrscher Judäas. Hellenistisches Gedankengut hält Einzug in Judäa. Der Kohelet ist skeptisch gegenüber der jüdischen Tradition. Sie lehrt, dass Gott eingreift und gesetzestreues Verhalten belohnt. Anderes Verhalten wird bestraft. Die Propheten mahnen immer wieder zu richtigem Verhalten. Aber stimmt das? Er erlebt Ungerechtigkeit, Korruption und Ausbeutung. Und er erlebt das ständige Bemühen der Menschen, etwa um Weisheit oder Reichtum oder Macht oder Wohlleben. All dies hat er auch angestrebt. Aber persönlich hat es ihn enttäuscht. Die Weisheit ist unvollkommen, ein Haschen nach Wind. Wer kann schon Wind einfangen? Reichtum hat er angestrebt, hart gearbeitet. Weingärten sind entstanden, Gärten mit vielfältigen Bäumen, Parkanlagen. Teiche, deren Wasser Wälder wachsen lassen. Aber dann wird ihm klar: im Tod wird er alles verlieren und ob seine Nachkommen dies erhalten und pflegen werden: ganz unsicher. Wieder hat er nichts in der Hand. Alles war Haschen nach dem Wind. So wie die Wellness, das gute Leben mit Wein, vielen hübschen Frauen, allem denkbaren Luxus seiner Zeit. Gott schenkt etwas oder lässt es auch sein. Warum: darauf habe ich keinen Einfluss. Alles Haschen nach dem Wind. Und dann kommt noch vor unserem Monatsspruch der Text: alles hat seine Zeit, Gutes und Schlechtes, Geburt und Tod, Freude und Trauer. Wir haben es in dem Lied eben gesungen. Und am Anfang in dem berühmten Song von Pete Seeger gehört: Turn, turn, turn. Einer fast wörtlichen Übersetzung des Textes. Einleuchtende Erfahrung in jedem Leben eines Menschen: Gewinn und Verlust, aber keine Sicherheit. Alles ist vergänglich – wie gewonnen, so zerronnen.

Ist der Kohelet ein Nihilist? Ist er ein Verzweifelter? Oder das Gegenteil? Ein Kluger und Weiser? In den jüdischen Synagogen finden sich stets fünf Schriftrollen: eine davon ist der Kohelet. Am Laubhüttenfest wird sie ausgerollt und gelesen. Ist er einfach nur weise? Seine Ausführungen lassen ihn nicht zweifeln an Gott, der allein alles bestimmt. Das Bild des Teufels kennt die Zeit damals noch nicht. Alles kommt von Gott. Nur ganz unverfügbar für uns Menschen. Der Kohelet holt uns auf den Boden, er weist uns in unsere Grenzen. Ein verdammt moderner Text, der auch Ungläubige anzieht. Und trotzdem: dem Leben ganz zugewandt ist seine Schlussfolgerung in den nächsten Versen: „Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“

Die Mühen bleiben. Die Grenzen auch. Gewissenlosigkeit im Handeln ist auch nicht gewollt. Aber Vertrauen und Lebensmut ist gefordert. Fröhlichkeit und möglicher Genuss statt Miesepeterei. Wenn das kein Leben ist!

Amen