Gedanken zum Beginn des Kirchenjahres

Liebe Leute in der Kirchengemeinde Otterndorf,

noch ist Zeit. Noch könnte man Fenster und Türen verrammeln. Stein für Stein könnte man aufeinanderschichten und allem entkommen, was einem auf die Nerven geht, angeblich. Zwar haben wir in diesem Jahr die kürzest denkbare Adventszeit von nur drei Wochen statt, wie im vorigen Jahr, vier Wochen. Aber noch ist Zeit. Zeit, um nicht an sich ran kommen zu lassen, was nervt.
Aber warum nervt es eigentlich? – Das kann viele Gründe haben.
Manche ärgert die Leere der Formen. Es gibt so viel Fröhlichkeit und Glühweinseligkeit, angeblich, und die wenigsten könnten noch genau sagen, warum sie eigentlich fröhlich sind.
Andere beklagen, dass die Zeiten vorbei seien, in denen man den Advent in Stille, gar mit Fasten beging. Und wieder andere sind einfach traurig und fühlen sich vom Trubel ausgeschlossen, weil sie niemanden wissen, der mit ihnen feiern würde.
Einmauern und sich Entziehen können viele Gründe haben. Und wir haben sie alle ernst zu nehmen. Auch manches kirchliche Allerlei kann etlichen auf die Nerven gehen.
Sie hätten lieber weniger, dies aber strenger. Immerhin erinnern sich manche noch an Zeiten, in denen Advent eher still war: eine Fastenzeit, in der man Buße tat und sich innerlich bereit machte für die Geburt Jesu, die Ankunft Gottes auf Erden.
Tatsache ist, dass Weihnachten deutlich nach vorn gerückt ist. Die Weihnachtszeit begann früher mit dem Heiligen Abend und dauerte bis zum 6. Januar.
Heute beginnt die Weihnachtszeit gefühlt Ende Oktober und endet mit dem 2. Weihnachtstag.
Dabei sollten wir uns ehrlich eingestehen, dass manche Menschen schon am 3. Advent genug haben von Weihnachten, das dann ja noch nicht einmal begonnen hat, streng genommen.
Daran sind aber nicht die Geschäfte schuld, wie viele oft meinen und sagen. Geschäfte kann man nur machen, wenn die Menschen, die Kunden also, mitmachen. Würden wir alles Weihnachtliche liegen lassen bis zum 1. Advent, würde die Weihnachtszeit in den Geschäften nicht schon Ende Oktober beginnen. Wir könnten uns wehren gegen eine immer frühere „Weihnachtszeit“, die ja eigentlich Adventszeit ist.
Ich verstehe die Menschen, die sich innerlich ein wenig einmauern, um bis zum 1. Advent in Ruhe gelassen zu werden von der lauten Geschäftigkeit.
Nun ist es, wie es ist. Der Einzige, der daran etwas ändern kann, bin ich.
Ich muss Fenster und Türen nicht verrammeln, aber ich kann meine Sinne schärfen und prüfen, was ich will und was nicht. Ich kann mir Fragen stellen und versuchen, sie in meinem Sinne zu beantworten. Was bedeutet mir Advent? Wie will ich diese Zeit begehen? Was will ich Besonderes tun – oder lassen? Wozu lasse ich mich hinreißen oder wogegen wehre ich mich? Und mit welchen Mitteln?
Das, was ich tun kann, ist vorausdenken und vorbedenken. Vielleicht schon im September, spätestens aber mit Öffnung des Weihnachtsmarktes.
Wie bereite ich mich vor auf Weihnachten? Bereite ich mich überhaupt vor oder lasse ich alles auf mich zukommen? Und schließlich: Welche Rolle spielt Geld?
Adventszeit ist Bereitungszeit. In den 2000 Jahren seit Jesu Geburt haben die Formen der Vorbereitung immer wieder gewechselt. Es gibt keine Vorschriften, wie man sich bereiten soll.
Es schadet aber nicht, wenn ich darüber nachdenke, was ich will und wie ich es will – statt mich treiben zu lassen und dann womöglich unzufrieden zu werden.
Gott kommt mir nahe, wenn ich mich ihm nähere.

Gott kommt mir nahe, wenn ich mich ihm nähere.

Um Gott in meinem Leben zu empfinden, hilft es, mich ihm anzunähern. Kleine Zeiten der Stille sind sicherlich eine Hilfe fürs Herz. Das kann Zeit für Gebete sein, Andachten in der Gemeinde, ein besonderer Gottesdienst.
Mit den Händen meines Herzens sorge ich auch für das, was Jesus sich wünschte: Ich kümmere mich mit meinen kleinen Kräften um ein wenig mehr Gerechtigkeit in meiner Welt. Ich suche danach, wo ich verzeihen oder um Verzeihung bitten kann.
Wer sucht, wird etwas finden, was ihm oder ihr hilft, sich auf Weihnachten zu freuen. Die Freude auf Gott wird größer, je mehr ich ihm den Weg bereite. Am besten mit überraschender Liebe. Zu anderen und zu mir.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit
Ihr Ludwig Feltrup

2017-12-06T17:30:21+00:00 21. Nov. 2017|Aktuelles, Gedanken|